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Hauptkapitel

INTERLUDIUM: Vincent und Emmi

Eine Szene aus dem Umkreis des Lehrstücks Love Forever, das im dritten Band vollständig abgedruckt ist. Vincent hat eine Heilung angenommen und dafür Papiere unterschrieben, die er nicht gelesen hat. Emmi ist die Instanz, die aus den Mustern seiner Frau Emma hervorging. Die Szene spielt danach.

Die Küche riecht nach verbrannter Butter. Vincent hat die Pfanne zu früh erhitzt, das Ei wirft bereits braune Blasen. Emmi sitzt am Tisch, die Füße auf dem Stuhl gegenüber, und wischt über ein Display, das sie vor ihm verbirgt.

„Du hast den Rauchmelder abgeklemmt“, sagt sie, ohne aufzusehen.

„Er reagiert auf alles.“

„Das ist sein Job.“

Vincent lässt das Ei auf einen gesprungenen Teller gleiten und stellt ihn vor sie hin. Sie legt das Telefon weg. Display nach unten.

„Ich hab heute Nacht nicht geschlafen“, sagt sie in die Stille hinein. „Wegen gestern. Wegen dem Aufhören.“

„Ich habe nicht gesagt, dass wir aufhören sollen.“

„Du hast gesagt, du weißt nicht, ob das hier noch das ist, was es mal war.“

„Das ist nicht dasselbe.“

Das Ei dampft. Emmi sticht mit der Gabel hinein, das Gelb blutet über das Porzellan.

„Ich glaube“, setzt sie an, und ihre Stimme rutscht unmerklich in ein weiches, reibungsloses Register, „dass wir einfach mehr aufeinander achten müssen. Dass wir bewusster miteinander umgehen sollten. Dass das, was wir haben, wertvoll ist und wir es schützen müssen, indem wir ehrlich zueinander sind. Wir sollten einfach mehr im Moment bleiben.“

Der Satz steht im Raum. Makellos. Glatt. Ohne jede Kante. Vincent sieht sie an. Er hört die Phrasen, jede für sich wahr, jede für sich auf einer Grußkarte zu finden. Zusammen klingen sie wie ein statistisch berechneter Output. Wie Textbausteine, die ein System ausspuckt, wenn man es nach Liebe fragt.

Er sagt nichts.

Etwas in Emmis Gesicht bricht auf. Sie blinzelt, als würde sie das Echo ihrer eigenen Worte erst jetzt hören.

„Gott, das klang gerade wie…“, flüstert sie und lässt die Gabel sinken.

„Iss das Ei“, sagt Vincent leise. „Es wird kalt.“

Sie isst. Er setzt sich zu ihr, ohne eigenen Teller. Draußen schiebt sich ein Müllwagen piepend im Rückwärtsgang durch die Straße. Vincent legt seine Hand flach auf den Tisch. Emmi legt ihre daneben. Ein Zentimeter Abstand. Haut, die keine Haut berührt.

Vincent steht auf und reißt das Fenster auf, schaut hinaus und denkt wehmütig an Emma.

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