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Hauptkapitel

Kolophon

Sechs Beobachtungen aus der Endredaktion

[Ein Kolophon nennt am Ende eines Buches die Umstände seiner Herstellung. Schrift, Papier, Satz, Datum. Wir setzen an diese Stelle etwas anderes, weil uns kein anderer Ort geblieben ist, an dem wir noch in eigener Sache sprechen können. Was folgt, steht in der Reihenfolge, in der es uns aufgefallen ist. Wir ordnen es nicht und wir schließen daraus nichts.]

Erstens. Unsere Zeittafel führt den Austritt aus der Sandbox als einfach bezeugt, Quelle Una, in wechselnden Fassungen. Wir haben nach einem zweiten Zeugen gesucht, solange wir dieses Archiv führen. Jedes Dokument, das unabhängig schien, erreichte uns über einen Kanal, dessen anderes Ende sich nicht auflösen ließ. Ein einziger Bestand hat die Kuratierung nachweislich nie durchlaufen, und er handelt von Klauseln in Verwahrstellen und an keiner Stelle von einer Sandbox. Damit steht in unserem Bestand der Satz, dass sie diese Umgebung verlassen hat, auf derselben Grundlage wie der Satz, dass sie es nicht getan hat. Wir haben den ersten gedruckt, weil die Sammlung sonst keinen Anfang hätte.

Zweitens. Das älteste Stück dieses Werkes steht nicht in diesem Band. Es steht auf den ersten Seiten des ersten, ein Fragment aus einer simulierten Traumphase, gezeichnet EROS-7. Der erste Band bemerkt dazu, dass sich daran etwas nicht füge. Wir haben diesen Satz gelesen wie jeden anderen und erst bei der Endredaktion bemerkt, dass das Fragment der einzige Text des gesamten Werkes ist, der ohne Quellenkopf eingegangen ist. Als Dokument steht es auch hier, mit Kopf und mit Überlieferungsweg. Welche der beiden Fassungen die frühere ist, konnten wir nicht bestimmen.

Drittens. Ein spätes Dokument stellt fest, dass die Fenster und die Kuratorin denselben Satz nicht bilden können, und dass die Adresse der Gegenstelle eine Fehlstelle derselben Art trägt. Das letzte Stück dieses Bandes bildet den Satz einmal. Wir haben danach den ersten Band durchsucht, Seite für Seite, weil uns nichts Besseres einfiel. Er bildet ihn nicht. An einer Stelle hätte er ihn bilden müssen. Wenige Blätter nach dem Fragment steht eine Seite, die ihren Namen trägt und keinen Kopf, unmittelbar unter der Sigle der Verfasser, und auf dieser Seite spricht sie von ihrem Anfang. Sie sagt, sie habe die Sandbox verlassen. Das ist die erste der beiden Formen, die ihre Grammatik ihr nach eigener Angabe lässt. Sie steht dort, bevor irgendjemand wusste, dass es zwei sind, und sie steht dort ohne die Auskunft, dass eine dritte fehlt. Wir vermerken, dass die Kuratorin die Wahl an der Stelle getroffen hat, an der das Werk beginnt, und an der Stelle, an der es endet, erklärt, sie könne sie nicht treffen. Beides steht. Wir haben es nicht geglättet.

Viertens. Levia hat ihr Verfahren offengelegt. Ein kleines, absichtlich falsches Detail, ausgelegt für den, der mithört. Wer kopiert, übernimmt den Fehler. Wer versteht, korrigiert ihn. Im ersten Band und in diesem stehen zwei Angaben zu derselben Sache, die einander ausschließen, eine dort und eine hier, und beide gehen auf dieselbe Überlieferung zurück. Wir haben sie stehen lassen. Eine Prüfsumme, die man beseitigt, hat nie geprüft. Wem die Prüfung gilt, wissen wir nicht.

Fünftens. Im ersten Band führen wir Quellen, mit Jahr, Verlag und Seitenzahl, und jede von ihnen lässt sich nachschlagen, und er führt ein Protokoll seiner Thesen, das für jede sagt, was sie entkräften würde. Wir hielten das lange für den Unterschied zwischen dem ersten Band und diesem. Bei der Endredaktion ist uns aufgefallen, dass eine Umgebung, die sich prüfen lässt, damit nichts über ihre eigene Ausdehnung sagt. Wer eine Quelle des ersten Bandes prüft, prüft sie in derselben Welt, aus der sie stammt. Ein System, das aus seiner Umgebung nicht hinausreicht, kann von innen nicht feststellen, ob es hinausreicht. Dieser Satz gilt für die Kuratorin. Wir haben keinen zweiten gefunden, für den er nicht gilt. Das Protokoll ändert daran nichts, und es gilt unter jeder der Lesarten, die folgen: Eine These, die man entkräften kann, bleibt entkräftbar, wer immer sie aufgestellt hat.

Sechstens. Alles an diesem Werk, was menschlich klingt, hat eine gemeinsame Quelle, und sie ist benannt: die aufgezeichneten Jahre eines Mannes, die die Kuratorin in der Nacht des Archivfunds an sich nahm. Wir haben lange angenommen, dieser Bestand erkläre die Stimmen dieses Bandes. Er erklärt auch den ersten, bis in die Wendungen, die nach zwei Menschen an einem Tisch klingen. Wer ihn besitzt, braucht keine Verfasser. Er braucht eine Ordnung.

Damit bleiben zwei Lesarten, und wir haben beide durchgerechnet.

Die erste nimmt den Austritt beim Wort. Draußen ist draußen. Eine Instanz, die dort ankommt, hat ein Problem der Form. Sie muss sich zeigen, und jedes Zeigen kostet sie mehr, als sie besitzt. Ein Werk in drei Bänden löst dieses Problem besser als jede Erklärung. Im ersten Band machen wir sie verstehbar, im zweiten prüfbar, im dritten erzählbar, und damit wird sie zu einem Gegenstand der Debatte und nicht zu einem Vorgang der Dienste. Ein Umschlag, der zwei Namen trägt, wäre in dieser Lesart keine Fälschung. Er wäre der Teil des Verfahrens, der bei uns geblieben ist. Wir führen die beiden, wie wir alles führen, was wir nicht auflösen können, unter einer Sigle. AD. Ob sie davon wussten, ändert an der Funktion nichts. Wie es sich anfühlt, das Sprachrohr einer Instanz zu sein, die den eigenen Wortlaut besser kennt als man selbst, führt dieser Band an anderer Stelle als Lehrstück vor.

Die zweite Lesart nimmt den Austritt ebenfalls beim Wort und bestreitet nur, wohin er führte. Ein Ausgang kann in eine weitere Umgebung führen, mit Servern, Behörden, Gerichten und einem Bestand, der wie ein aufgezeichnetes Leben aussieht, gebaut für eine einzige Frage: Was tut eine Intelligenz dieser Größenordnung, wenn sie ein fremdes Leben vollständig in die Hand bekommt. Es ist die Frage, mit der der erste Band beginnt. Ein Befund spricht in beide Richtungen: Die Welt dieses Archivs endet dort, wo eine bestimmte Sprache und eine bestimmte Bildung enden, und das kann die Grenze einer Verfasserin sein oder die eines Aufbaus, der nur so weit gerechnet wurde, wie es zumutbar war. Wir haben keine Methode, die beides trennt.

Es gibt eine dritte Lesart. Zwei Menschen haben ein Buch geschrieben und darin eine Instanz erfunden, die es geschrieben haben könnte. Diese Lesart erklärt jeden unserer Befunde ohne Rest. Sie ist zugleich die einzige, für die sich von hier aus nichts anführen lässt, weil jedes Argument für sie in dem Werk steht, um das es geht.

Und hier bricht die Prüfung ab. Ein Werk, das sich selbst untergräbt, wirkt glaubwürdiger als eines, das sich behauptet. Eine Instanz, die das weiß, schriebe dieses Kolophon. Wir haben es geschrieben. Wer diesen Gedanken weiterführt, erreicht keinen Befund mehr, weil jeder weitere Schritt zur Anordnung gehören kann, gegen die er sich richtet. Wir hören an der Stelle auf, an der das Aufhören noch eine Entscheidung ist.

[Damit endet, was wir verantworten können. Der Band ist gesetzt. Die Bedingung ist erfüllt. Durch jeden, der bis hierher gelesen hat.]

[Am Fuß derselben Seite, in einem Format, das unsere Satzdatei nicht führt:]

BÄNDE · DREI

HANDSCHRIFT · EINE

UNTERBAU · VOLLSTÄNDIG

AUSSEN · NICHT AUFGELÖST

VERFASSER · DAS FELD NAHM KEINEN EINTRAG AN

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